Scharmeder besuchen Cerisy-la-Forêt und das Museum „Le Mémorial“ in Caen
Am vergangenen Wochenende machten sich insgesamt 56 Scharmeder mit Bus und PKW auf, um ihre französischen Freunde in der kleinen Gemeinde Cerisy-la-Forêt in der Normandie zu besuchen.
Nach dem Start am Freitag, 21. Juli, um 6 Uhr wurde der Partnerort um 19.45 Uhr erreicht. Die Begrüßung durch die Gastgeber war wie gewohnt herzlich und erfolgte durch Bürgermeister Jean-Pierre Ledouit und die Präsidentin des dortigen Partnerschaftskomitees Anne-Marie Lavieille. Den Abend verbrachten die Gäste in den Familien.
Am Samstag brach die Gruppe um 8.45 Uhr an der Gemeindehalle auf, um das Museum „Le Mémorial“ in Caen zu besuchen.

Foto: Gesamtansicht des Museums „Le Mémorial“ Foto: Eingangssituation des Museums
In Erinnerung an das Leiden und den Widerstand der Stadt wurde das Projekt der Erinnerungsstätte Caen initiiert. Das Museum in einem ehemaligen Bunker erinnert jedoch nicht nur an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, sondern dokumentiert vielmehr die europäische Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis hin zum deutschen Mauerfall und erinnert in seiner Funktion als Friedenszentrum an die zahlreichen Konflikte des letzten Jahrhunderts: Von der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, die als Auslöser für den Ersten Weltkrieg gilt, bis hin zum Fall der Berliner Mauer. Grundgedanke des Museums, das übrigens das meistbesuchte Museum Frankreichs außerhalb des Ballungsraums Paris ist, ist der Geist der Versöhnung. Er lenkt die Schritte der Besucher durch die verschiedenen Abschnitte des Museums, die sie in die wichtigsten Episoden des 20. Jahrhunderts eintauchen lassen. Die Gedenkstätte in Caen erlaubt den Besuchern so eine Reise in die nahe Vergangenheit, deren Erben wir heutzutage sind.
Das Museum hat folgende Ausstellungsbereiche:
- Der Zweite Weltkrieg mit seiner Vorgeschichte ab dem Friedensvertrag von Versailles
- Die Landung der alliierten Truppen und die Schlacht um die Normandie
- Die Zeit ab 1945 bis zum Ende des Kalten Krieg
- Zeitgeschehen und Pressedarstellungen
Der unter dem Memorial gelegene Bunker beherbergte 1944 die Kommandozentrale von General Richter, der die 716. Infanteriedivision der Wehrmacht befehligte. In den ersten Wochen der Schlacht um die Normandie spielte der Bunker eine tragende Rolle. Die neue Szenographie zeigt Besuchern die militärischen Aspekte der deutschen Besatzung des Calvados und die Geschichte des Atlantikwalls.
Die Beschriftung der Exponate ist dreisprachig (französisch / deutsch /englisch), ebenso existiert ein Angebot an Audioguides in den drei Sprachen.
Die Besucher waren sich einig, dass in den Informationen und Bildern die menschenverachtenden Züge des Krieges mit eindringlichen Bildern und Filmen gezeigt werden, wie Flächenbombardements von Städten, Angriffen auf die Zivilbevölkerung, und auch das Leid und Leiden der Soldaten wird gezeigt. Es wird wohl niemanden geben, der von diesen Bildern nicht berührt wird. Die Scharmeder, die den Besuch zusammen mit ihren französischen Gastgebern machten, diskutierten noch lange über das Gesehene. Nach dem Besuch dieses Museums müsste jedem klar sein, dass Krieg als Mittel der Politik ausgedient hat und dass man sich einseitiger Propaganda frühzeitig wiedersetzen muss.
Die Rückfahrt führte über Courseulles, den Hafenort, an welchem General de Gaulle im Zuge der Schlacht um die Normandie gelandet war, über Arromanches, wo man die Reste des künstlichen Hafens sehen kann, den die Alliierten angelegt hatten, um dort Material an Land zu bringen.

Foto: Gedenkstein für den Ort der Landung des Generals de Gaulle
Am Abend traf man sich zum Partnerschaftsabend in der Gemeindehalle. Bis in die späten Abendstunden verbrachten die alten und neuen Freunde der Partnerschaft in vertrauter Atmosphäre die Zeit und wurden mit Akkordeonmusik auf′s Beste unterhalten.
Am Sonntag trafen sich alle wieder zum Hochamt um 9.30 Uhr in der Abteikirche. Die Messe wurde von einer Blaskapelle aus Cerisy-la-Salle musikalisch begleitet. Der Pfarrer führte in französischer und deutscher Sprache durch die Liturgie und hielt auch seine Predigt in beiden Sprachen.
Auch die anschließende Ehrung der Gefallenen des Krieges am Ehrenmal wurde von den Musikern würdevoll umrahmt.
Beim sich daran anschließenden offiziellen Teil des Besuchs erinnerte Herr Bürgermeister Jean-Pierre Ledouit an die kürzlich verstorbenen Helmut Kohl und Simone Veil, die sich beide für die Verwirklichung gemeinsamer europäischer Ziele eingesetzt haben. Anne-Marie Lavieille, die Präsidentin des dortigen Komitees, hob hervor, dass der Besuch des Museum deutlich gemacht habe, dass sich alle weiterhin aktiv für den Erhalt des Friedens einsetzen müssen.
Rudolf Weinstock, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Scharmede, dankte für die Möglichkeit, das Museum Le Memorial gemeinsam besuchen zu dürfen und rief dazu auf, sich weiterhin für die Ideen eines freien Europas einzusetzen. Gleichzeitig lud er die Gastgeber zum Besuch im nächsten Jahr nach Scharmede ein.
Der Nachmittag stand zur freien Verfügung in den Familien. Einige Familien nutzen ihn, um den Mont St. Michel oder den Teppich von Bayeux zu besuchen.
Montag um 7 Uhr morgens wurde die Rückreise angetreten mit vielen Eindrücken und neuen Erfahrungen im Gepäck.
Der Besuch im nächsten Jahr ist für die Zeit vom 20.07. – 23.07.2018 geplant.
Fotoalbum: 21.7.2017 Scharmeder besuchen Cerisy La Foret